Geschichte des Solitärs: von der Patience zu Windows
Die Patience ist älter als der Computer, aber jünger, als manche Erzählung behauptet. Belegt ist sie erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, in Büchern, nicht in der Bastille und nicht bei Napoleon.
Inhalt
Zur Patience kursieren viele Anekdoten. Diese Seite hält sich an Wörterbücher und Nachschlagewerke und sagt dazu, wo die Quellenlage dünn ist. Die Bedeutung des Wortes klärt Solitär: Bedeutung.
Die ersten Belege im 18. Jahrhundert
Nach der englischen Wikipedia stammt die früheste bekannte Beschreibung einer Patience aus der deutschen Spielsammlung Das neue Königliche L’Hombre-Spiel von 1783. Dort heißt das Spiel Patience. Dieselbe Quelle nennt zwei große Spielbücher von 1674, Charles Cottons The Compleat Gamester und Abbé Bellecours Academie des Jeux, die keine Patience erwähnen. Die Wikipedia hält deutschen oder skandinavischen Ursprung für wahrscheinlich; die ersten Belege stammen aus dem späten 18. Jahrhundert.
Die deutsche Wikipedia verweist auf Kastner und Folkvord (2005): Sie halten eine Entstehung in Deutschland im 18. Jahrhundert mit anschließender Verbreitung in Frankreich für wahrscheinlicher als eine französische Herkunft. Französische Emigranten brachten die Spiele demnach im späten 18. und im 19. Jahrhundert in andere Länder. Das Wort Patience kam laut DWDS seit Ende des 18. Jahrhunderts aus dem Französischen ins Deutsche; als Name eines Kartenlegespiels ist es im Französischen erst Mitte des 19. Jahrhunderts belegt, im Englischen schon 1816.
Legenden: Bastille und Napoleon
Ein französischer Adliger soll die Patience in der Bastille erfunden haben, während er auf seine Hinrichtung wartete, und Napoleon soll mit Patiencen den Ausgang von Schlachten vorhergesagt haben. Belege gibt es dafür nicht. Nach der deutschen Wikipedia vermuten Kastner und Folkvord, dass Napoleon eher Whist-Blätter allein durchspielte.
Regelbücher im 19. Jahrhundert
Das erste Buch mit Patiencen erschien nach der englischen Wikipedia 1826 in Russland. Als erste englischsprachige Sammlung gilt Illustrated Games of Patience von Lady Adelaide Cadogan, datiert „um 1870“, mit einer zweiten Auflage von 1874. Mary Whitmore Jones veröffentlichte ab 1888 mehrere Bände mit zusammen etwa 250 Spielen. Solche Sammlungen verbreiteten die Regeln und gaben den Spielen ihre Namen.
Woher Klondike kommt
Nach der deutschen Wikipedia taucht ein Spiel mit den heutigen Klondike-Regeln erstmals 1905 in England auf: In Games of Patience von „Tarbart“ heißt es Gambler’s Delight. Die ersten Regeln in den USA stehen 1907 in Hoyle’s Games, dort als Seven-Card Klondike. In den Official Rules of Card Games von 1913 heißt es nur noch Klondike und wird mit einer Karte pro Zug statt mit drei gespielt. Der Name Klondike gehörte vorher zu einem anderen Spiel, das heute in den USA Canfield und in Großbritannien Demon heißt.
Und der Goldrausch?
Nahe liegt die Verbindung zum Klondike-Goldrausch: Am 16. August 1896 wurde in der Klondike-Region im kanadischen Yukon Gold gefunden, im Juli 1897 begann mit den ersten Goldschiffen der Ansturm, der bis zum Sommer 1898 anhielt. Dass die Patience danach benannt wurde, ist nicht bewiesen: Die englische Wikipedia nennt den Ursprung des Namens unbekannt und sieht keinen Beleg für den Goldrausch.
Auf den Bildschirm: von 1978 bis Windows
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1978 | Paul Alfille, damals Medizinstudent an der University of Illinois, schreibt die erste Computerfassung von FreeCell für das System PLATO. |
| 1984 | Laut deutscher Wikipedia erscheint das Programm „Klondike für Mac“. |
| 1988 | Der Praktikant Wes Cherry entwickelt bei Microsoft Solitaire, laut deutscher Wikipedia für Windows 2.1. |
| 22. Mai 1990 | Microsoft Solitaire liegt Windows 3.0 bei. Susan Kare hat die Karten gestaltet. |
| 1995 | Seit diesem Jahr liegt FreeCell jeder Windows-Version bei. |
| 1998 | Spider erscheint mit Microsoft Plus! 98 für Windows 98. |
| Windows 2000 | Rechtsklick auf eine leere Fläche und Doppelklick auf eine Karte legen Karten auf die Ablagestapel. |
| Windows Vista und 7 | Gespeicherte Statistiken und das Speichern unfertiger Partien kommen hinzu. |
| Oktober 2012 | Die Microsoft Solitaire Collection erscheint mit Windows 8, entwickelt von Arkadium und mit Werbung. |
| 2019 | Das Spiel wird in die World Video Game Hall of Fame des Strong National Museum of Play aufgenommen. |
Warum das Spiel Windows beilag
Nach der englischen Wikipedia wollte Microsoft mit Solitaire Menschen beruhigen, die das Betriebssystem einschüchterte, und ihnen die Maus vertraut machen. Karten zu ziehen und abzulegen übt genau diese Bewegung. Zum 30. Jubiläum 2020 schätzte Microsoft die Zahl der aktiven Spieler auf 35 Millionen im Monat.
FreeCell und die Nummern
Das Windows-FreeCell nummeriert seine Partien. Von den 32 000 ursprünglichen Nummern ist laut Wikipedia nur die Nummer 11982 unlösbar. Auch der Tisch hier arbeitet mit Spielnummern: Auf FreeCell ergibt dieselbe Nummer dasselbe Blatt.
Spider und seine Stufen
Spider kam 1998 als Teil des Pakets Microsoft Plus! 98 für Windows 98, später lag es Windows XP bei. Die Stufen mit einer, zwei oder vier Farben gibt es hier als Spider mit einer Farbe, zwei Farben und vier Farben.
Was seit 1990 gleich geblieben ist
Am Spiel selbst hat sich wenig geändert: Wer Klondike am Bildschirm legt, spielt im Kern die Patience, die 1907 in Hoyle’s Games steht. Der Computer mischt, teilt aus, prüft Züge und zählt Punkte; die Entscheidungen bleiben beim Spieler. Den klassischen Tisch finden Sie unter Solitär wie früher, weitere Patiencen unter Kartenspiele für eine Person.
Quellen
- Patience (game), Wikipedia: 1783, 1674, 1826, Cadogan, Whitmore Jones.
- Patience, Wikipedia (deutsch): Herkunft, Legenden, Verbreitung.
- Klondike (Patience), Wikipedia (deutsch): 1905, 1907, 1984.
- Klondike (solitaire), englische Wikipedia: 1907, 1913, Name unbekannt.
- Klondike Gold Rush, englische Wikipedia: 1896, 1897, 1898.
- Microsoft Solitaire, Wikipedia: 1988, 1990, 2012, 2019.
- FreeCell und Spider (solitaire), Wikipedia.
- Patience, DWDS: Herkunft des Wortes.
Häufige Fragen
Seit wann gibt es Solitär?
Die früheste bekannte Beschreibung steht in der deutschen Spielsammlung Das neue Königliche L’Hombre-Spiel von 1783, wo das Spiel Patience heißt. Große Spielbücher von 1674 erwähnen es nicht. Ein genaues Entstehungsjahr ist nicht bekannt; als wahrscheinlich gilt ein deutscher oder skandinavischer Ursprung.
Stimmt die Geschichte vom Gefangenen in der Bastille?
Sie wird oft erzählt, ist aber nicht belegt. Auch die Erzählung, Napoleon habe mit Patiencen Schlachten vorhergesagt, gilt als zweifelhaft. Solche Geschichten erklären die französische Spur, taugen aber nicht als Datierung.
Woher kommt der Name Klondike?
Das ist nicht geklärt. Häufig wird er mit dem Goldrausch im kanadischen Yukon verbunden, wo 1896 Gold gefunden wurde. Die englische Wikipedia hält dagegen fest, dass der Ursprung unbekannt ist und sich die Verbindung nicht belegen lässt.
Wann kam Solitär auf den Computer?
Die deutsche Wikipedia nennt für 1984 ein Programm „Klondike für Mac“. Weltweit bekannt wurde das Spiel durch Microsoft Solitaire, das im Mai 1990 mit Windows 3.0 erschien. Entwickelt hatte es 1988 der Praktikant Wes Cherry.
Warum lag Solitär Windows bei?
Es sollte Nutzern, die das Betriebssystem einschüchterte, den Umgang mit der Maus beibringen, vor allem das Ziehen und Ablegen.
Seit wann gibt es FreeCell und Spider auf dem Computer?
Eine erste Computerfassung von FreeCell entstand 1978 auf dem Lernsystem PLATO. Microsoft liefert es seit 1995 mit Windows aus. Spider kam 1998 mit dem Zusatzpaket Microsoft Plus! 98 für Windows 98.
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Aktualisiert am 26. Oktober 2026